Ich erinnere mich, irgendwo mal gehört zu haben, dass in Zerbst immer als erstes die neuen Maschinen in der DDR zum Einsatz gekommen sind. Das hatte wohl mit der Lage zum Einsatzgebiet im Ernstfall zu tun.
Linse
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Leider ein Beitrag mit sehr vielen Ungereimtheiten und heftigen Fehlern. Auch wenn schon 2013 entstanden war der Kenntnisstand zu der Zeit wesentlich besser als der Unfug im Film. Typisch reisserische Aufmachung ohne Sachverstand.
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Hm, ja bei den Fliegern bin ich tatsächlich ein interessierter Laie und muß erstmal das hinnehmen was da beschrieben wird. Ich denke mal das zumindest die Eckpunkte stimmen. d.h. zur dort stationierte Einheit. Ob der Standort tatsächlich ein Karrieresprungbrett war muß ich mal so hinnehmen. Hatten die Piloten tatsächlich Bereitschaft in der Maschine um in 3 Minuten in der Luft zu sein? Haben die „Zerbster“ es tatsächlich in Berlin knallen lassen? Vielleicht können wir ja zumindest hier im Forum einiges richtig stellen und auf das Fachwissen von 1JG-2 zurückgreifen. Was waren die größten Korken in diesem Video.
Wie angekündigt meine bescheidene Meinung zu den „Höllenjägern von Zerbst“. Zuerst 3 Bemerkungen in eigener Sache: Ich will den Film nicht in Bausch und Bogen verreißen, es wird aber leider vielfach mit typisch reißerischen Formulierungen gearbeitet die dem deutschen Michel und seiner Frau der Micheline den wohlwollenden Angstschauer über den Rücken laufen lassen, statt Aussagen sachkundig einzuordnen. Ich betrachte einige der getätigten Aussagen aus meinen Erfahrungen in 15 Jahren Fliegeringenieur Dienst in der NVA. Viele Prinzipien waren gleich, aber bei den Sowjetischen Freunden gab es doch auch deutlich andere Herangehensweisen. Da kann ich denn auch mal daneben liegen. Ich benutze die deutschen Abkürzungen für Jagdfliegergeschwader JG (russisch IAP, ИАП), Jagdbombergeschwader JBG (russisch APIB, АПИБ).
Das Bildmaterial wenn es sich um Flugzeugtechnik handelt ist ohne Sinn und Verstand zusammengeklaubt. So werden häufig Flugzeuge der NVA (MiG-23BN des JBG-36, MiG-23M und ML des JG-9) gezeigt. Bei dem gezeigten Einsatz vom Autobahnabschnitt Netzeband handeln MiG-23M vom JG-9 zusammen mit MiG-23M vom 773.JG aus Riebnitz-Damgarten, kein Bezug zu Zerbst.
„50 Flugzeuge bei Tag und Nacht in der Luft“ – kann im Einzelfall passiert sein, wenn mehrere Geschwader gleichzeitig Flugdienst hatten. Ist aber wohl mehr eine Schauergeschichte.
„Zerbst war eine Eliteeinheit“ – es war ein Geschwader wie alle anderen der 16. Luftarmee. Die Piloten hatten unterschiedlichen Ausbildungsstand, Ziel war natürlich immer die Klasse I. Diese wurde durch die Ausbildung in den Geschwadern erreicht.
„Zerbst war eine Generalsschmiede“ – bezieht sich auf die 126.Jagdfliegerdivision und ist eine unsinnige Behauptung. Bzw. sie kann für alle anderen Divisionen (Großenhain, Merseburg, Rechlin, Ribnitz Damgarten) gelten. Die Dienststellung Divisionskommandeur war Generalmajor. Wenn also ein neuer Kommandeur als Oberst kam wurde er (Ohne Besondere Vorkommnisse) natürlich General.
„Die Piloten kehrten hoch dekoriert in die Heimat zurück“ – Unsinn. Vielleicht gab es den einen oder anderen Orden, wie beim Abschuss einer amerikanischen RB-66 bei Gardelegen am 10. März 1964. Hptm. Iwanikow aus Zerbst und Hptm. Zinowjew aus Wittstock waren daran beteiligt. Abgeschossen hat die Maschine wohl Hptm. Iwanikow. Beide wurden mit dem Rotbanner Orden ausgezeichnet. Leider erfährt dieses für mich doch bedeutend Ereignis für das JG-35 in Zerbst in dem Film keine Erwähnung. Aber ansonsten hatten Piloten die gleichen Auszeichnungen wie Piloten in der Heimat.
„Zerbst bekam die modernsten Flugzeuge direkt vom Band“ Das stimmt so nicht. Insgesamt waren die Truppen der GSSD in der Regel mit der modernsten Technik ausgerüstet. Das JG-35 in Zerbst war zumindest bei der MiG-23 nach Köthen und Falkenberg erst das dritte Geschwader, bei der MiG-29 ebenfalls erst das dritte Geschwader nach Wittstock und Merseburg. In dem Zusammenhang zu „modernster Technik“. In Zerbst flog man die Mg-23M sehr lange. 1982 war sie als Jagdflugzeug schon eher veraltet und das JG wurde zum JBG umgebildet. Die Maschinen waren jetzt für den Luft-Boden Einsatz mit Kanone, gelenkten und ungelenkten Raketen vorgesehen. Erst 1989 mit der Umrüstung auf MiG-29 wurde es wieder ein JG. Auch das wird im Film leider nicht erwähnt.
„in Minute 3:12 geht ein Oberst durch eine Flugzeughalle mit der Bemerkung: hier waren unsere Flugzeuge untergebracht“ – das ist so nicht richtig. Die Einsatzflugzeuge befanden sich in den 3 Dezentralisierungen in offenen oder geschlossenen Deckungen bzw. an der Vorstartlinie. In die gezeigte Halle kamen Flugzeuge zu größeren Reparaturen (Triebwerkswechsel) oder periodischen Kontrollen.
„in Minute 4:18 sagt ein ehemaliger Pilot: mit dem Start aus dem DHS hatte der Pilot automatisch die Erlaubnis zum Waffeneinsatz“ – das ist falsch. Den Waffeneinsatz musste er bei Bedarf unmittelbar anfordern, er wurde vom Gefechtsstand erlaubt, mir Einschränkungen erlaubt oder abgelehnt.
„in 4:40 heisst es : ganze Geschwader befanden sich in erhöhter Gefechtsbereitschaft“ – Das ist relativ. Alle Truppen der GSSD wie auch der NVA befanden sich in „Ständiger Gefechtsbereitschaft“ – der niedrigsten Stufe. Zu besonderen Anlässen (Übungen, Spannungssituationen) wurden höhere Bereitschaftsstufen befohlen. Die bei 5:38 genannte B1 (Sitzbereitschaft), mit 3 Minuten bis Start war die absolute Ausnahme. Ich habe es scharf ein oder zwei mal erlebt wo Piloten im DHS in die B1 gingen und auf den Start warteten. Sonst nur bei Übungen wenn ein Geschwaderstart vorbereitet wurde. Ach ja – Cuba Kriese, da berichteten ältere Flieger, dass sie im Wechsel ganze Tage in B1 waren – Spannungsfall eben.
#Spurensucher MD – ja, den Einsatz der Flieger über Westberlin anlässlich der Bundestagstagung gab es tatsächlich.
„23:00 ein Deutscher erzählt über die beheizte Startbahn“ – ohne es genau zu wissen möchte ich das in den Bereich der urbanen Legenden einordnen. Mir ist kein Platz bekannt, wo es ähnliches gab. Dafür aber jede Menge Legenden. Zerbst hatte vor 1945 lange nur eine Grasbahn, die zum Kriegsende für die Me-262 befestigt wurde. Auf Grund der Ressourcenlage bezweifele ich, dass da eine Fußbodenheizung installiert wurde. Der Ausbau mit 2,5km Betonbahn Anfang der 50-ger Jahre erfolgte nach russischen Plänen für einen Flugplatz der Frontfliegerkräfte, da ist so etwas nicht vorgesehen. Und überhaupt – der Flugbetrieb war im Winter auch ohne Heizung möglich, wie auf allen Anderen Plätzen bewiesen wurde.
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