der Brief ist an einem 08.12. in Mühlhausen in Thüringen aufgeben worden, oder besser gesagt das Paket von 2 Pfund 20 Loth und ist mit 2 Sgr. bar frankiert worden.
Adressiert ist er "An den Sergeant des 2. Festungs-Compagnie der Magdeburgischen Artillerie Brigade (No. 4) Herrn L. Weber (in) Magdeburg".
Als "Soldatenbrief Eigene Angelegenheit des Empfängers" ist er zusätzlich declariert worden. Zeitlich paßt er erst zur Zeit des Norddeutschen Bundes, der Paketzettel ist noch typisch preussisch. Schön ist noch der Paketausgabestempel A + Posthorn, welcher bei der Abholung des Paketes in der Packkammer des Postamtes abgeschlagen wurde.
Mit freundlichem Gruss
Ulf
Wenn nicht anders deklariert, gehören eingestellte Bilder von Belegen mir.
Hier noch die patriotische Meldung eines Magdeburger Gastwirts - ein Bild der "Dependance" Bellevue auf dem ehemaligen Fürstenwall hatten wir ja schon einmal im Forum. Ich hatte allerdings von dessen Kapazität keine Vorstellung.
Die nachfolgende Bestimmung ist deshalb interessant, weil aus ihr hervorgeht, dass die Ersatzbataillone der genannten Einheiten im Elsaß bzw. in Metz stationiert sind und Rekonvaleszenten deshalb anderen Einheiten zugewiesen werden (die nicht im Elsaß oder in Metz befindlich sind).
Im Januar 1873 wurden durch den Kaiser und König von Preußen silberne Ringe als Fahnendekoration vergeben. Sie waren an den Fahnen und Standarten anzubringen, deren Träger im Krieg 1870/71 mit der Fahne in der Hand gefallen sind. Die Ringe wiesen diese Tatsache mit den Namen der Betroffenen als Inschrift aus und sollten das Andenken an die Gefallenen auf ewig ehren. Aus unserem Bereich gab es zwei solcher Ehrungen, wie sie im Militär-Wochenblatt Nr. 19 vom 15. 3. 1873 verkündet wurden. Inder gesamten preußischen Armee waren es 23 Ringe, die aus diesem Grund gestiftet wurden.
Mit den Beförderungen der hohen Offiziere im März 1873 wurde die Auswertung des deutsch-französischen Krieges 1870/71 im Wesentlichen abgeschlossen. Militärwissenschaftliche und -statistische Auswertungen folgten noch in erheblichem Umfang. Desgleichen Memoirenliteratur.
Für Artilleristen interessant ist vielleicht die nachfolgende Auswertung des Einsatzes neuer deutscher Mörser im Krieg 1870/71 vor Paris. Auf der anderen Seite gibt er einen Einblick in die Wirksamkeit damaliger Festungsbauwerke.
Zum Krieg 1870/71 und der Beteiligung Magdeburger Einheiten
Angeregt durch den Beitrag von Wüste Gobi habe ich versucht, die Beteiligung Magdeburger Einheiten am Krieg 1870/71 zu recherchieren. Ungeachtet der Zuordnung der Regimenter (Bataillone etc.) zum Standort Magdeburg habe ich alle Einheiten beachtet, die den Namen Magdeburg in der Regimentsbezeichnung oder ähnlich führten. Das ist insbesondere deshalb erwähnenswert, weil das Magdeburger Füsilier-Regiment Nr. 36 ja schon einmal Thema im Forum war, ohne dass es seit dem Anstoß der Diskussion seit dem 31.3.2016 weiterführende Hinweise gibt. Da der Füsilier Eiserbeck in dem Gedenkblatt als Angehöriger des Magdeburger Füsilier-Regiments bezeichnet wird, habe ich in den offiziellen Verlustmeldungen erst einmal festgestellt, ob das so genannte Regiment am 17. 10. 1870 (laut Gedenkblatt) im Einsatz war und Verluste gemeldet hat. Ja: das Magdeburger Füsilier-Regiment Nr. 36 hat am 18. Oktober 1870 vier Unteroffiziere und Mannschaften als Verwundete gemeldet. Dass Füsilier Eiserbeck am 17. 10. 1870 verwundet wurde ist demnach möglich – Namen sind nämlich nur für Offiziere festgehalten. Dass er den Verwundungen erlegen ist, kann auch nicht ausgeschlossen werden, das ist ebenfalls nur bei Offizieren vermerkt. Die weitere Suche nach dem Genannten brachte dann zum Vorschein: Füsilier EISERBECK Johann 18.08.1870 Schlacht bei Gravelotte 12. IR 36 aus Charlottenhof Krs. Neuruppin
Der Todestag liegt hier allerdings zwei Monate früher. Ob der genannte Ort „Chanteraiel“ (auf dem Gedenkblatt) bei Gravelotte liegt, habe ich noch nicht herausfinden können. Vielleicht kann uns da Leclerc1944 weiterhelfen. Weiter ist in dieser Nachricht vermerkt, dass Eiserbeck der 12. Kompanie angehörte (wie auf dem Gedenkblatt vermerkt) – allerdings im Infanterie-Regiment Nr. 36 – das wäre echt Magdeburg. Dass er aus der Neuruppiner Gegend stammt könnte auf eine ehemalige Zugehörigkeit zum Füsilier-Regiment hindeuten, muss es aber nicht. Wenn die Eltern nach Klein Mangelsdorf verzogen sind, könnte Johann auch gleich für das IR 36 gezogen sein. Ich füge dann gleich mal noch die in diesem Zusammenhang von mir ermittelten Verluste Magdeburger und Pseudo-Magdeburger Einheiten für den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und das Namensverzeichnis der gefallenen, verwundeten oder vermissten Offiziere bei. Bei den Verlusten gibt es interessanterweise auch Angaben über gefallene, verwundete und vermisste Pferde, die aber nur aus Verlustmeldungen der betroffenen Einheiten stammen und in den offiziellen Verlustlisten des Generalstabs nicht aufgenommen sind.
Hugo
hat folgende Dateien an diesen Beitrag angehängt
Nachtrag: Im Schlachtenkalender des Großen Generalstabs ist kein Vermerk über die Beteiligung von Truppenteilen des IV. AK an der Schlacht bei Gravelotte enthalten, so dass Johann Eiserbeck schwerlich im August 1870 gefallen sein kann.