#1 RE: Motorenbau Zweigwerk Magdeburg MZM, nach 1945 von 25.11.2013 11:36

Oft kam und kommt die Frage- was wurde aus den vielen Patenten, Erfindungen, Technologien, die aus der JFM A.G. stammen?
Dazu muss man wissen, das mit der Kapitulation der dt. Wehrmacht am 08.Mai 1945 Besatzungsrecht in Deutschland galt und die Alliierten sich gezielt und nach vorher schon festgelegten Plänen und Schemata gezielt gesucht, geforscht und beschlagnahm wurde. In der Luftfahrtindustrie war das Deutsche Reich mindestens um fünf Jahre voraus, in der Raketentechnologie sogar um 10 Jahre oder mehr.
Die Amerikaner haben sehr schnell feststellen müssen, das die in den Luftfahrt Berufen ausgebildeten deutschen Facharbeiter im Prinzip das Fachwissen eines Luftfahrtingenieurs nach ihren geltenden Bestimmungen besaß!
Was lag also näher und im Interesse aller Besatzer, diese Sachen und diese Wissen für sich nutzbar zu machen. Patentrechte, Patentschutz galt nicht mehr.
Charles Lindbergh, der bekannte amerikanische Pilot und erster Überquerer des Atlantiks im Flugzeug war 2 mal im Junkerswerk Magdeburg zu Gast. Einmal als " Freund der Deutschen" wohl im Jahre 1938 und dann gleich nach Kriegsende noch einmal, den die Amis mussten ja laut Abkommen bis Juli 1945 MD an die Russen übergeben. Da man Lindbergh in MD wie auch Dessau damals bereitwillig sehr viel zeigte und erklärte, wusste er in MD genau wo er hinmusste- die Gebäude 24 und 23 ( Hochhäuser) , dort befand sich der Pumpenbau (Einspritzpumpen und die Forschung dazu) wie auch das heute noch existente Hauptgebäude mit seinen Konstruktion / Zeichenbüros.

IM MZM haben die Amis mehrere LKW Ladungen verbracht, im Werk selbst wurde ein gewisser Betrieb wieder aufgenommen, was sich aber dann mit Eintreffen der Russen als Aufräum / Abrissarbeiten gestaltete.
Wie viele Magdeburger Ingenieure, Meister, Techniker Facharbeiter sich nach Dessau begaben und dort auf Befehl der Russen die Produktion bestimmter, für die Besatzer interessanter Produkte mit in Gange setzten, ist leider unbekannt.

Die Werke wurden ja , wie schon beschrieben vollständig demoliert. Das MZM behielt sein Verwaltungsgebäude, da hiereine "MAGAZIN" der Russen Einzug fand.
Interessant ist hierbei auch noch die Geschichte des ehem. Schönebecker "Junkerswerkstandortes"
Der Junkerskonzern hatte die FAMO Werke Breslau ( Herstellung von Schleppern Halbkettenfahrzeuge etc. ) übernommen. Diese wurden aufgrund der Kriegsereignisse zum Standort Schönebeck verlagert, samt aller Konstruktionsunterlagen. Obwohl die Russen keinen Stein auf den anderen ließen, entstand an diesem Standort das spätere bekannte Traktorenwerk Schönebeck.Der erste dort hergestellte Traktor war der RS 01/40 "Pionier", der nichts anderes als die letzte Konstruktion der FAMO Werke war und auf der Leipziger Früjahrsmesse1949 wurde dieser Traktor noch mit dem FAMO Logo ausgestellt.

Wie zuvor beschrieben, wurde in Dessau an den neuesten Triebwerks und Flugzeugmustern weitergebaut und erprobt, bis am 22. Oktober 1946 auf Befehl der SMAD alle Spezialisten der deutschen Luftfahrtindustrie unter militärischer Gewalt nach Russland verbracht wurden. Die letzten " Spezialisten" kehrten erst 1955/ 1956 nach Deutschland zurück.

Flugzeuge deutscher Konstrukteure wurden in der SU erprobt, gingen aber nie in die Serie, die hierbei gewonnenen wichtigen Erkenntnisse kamen der sowj. Luftfahrt zu gute.

Im Motorenbau wurden die Strahltriebwerke Junkers JUMO 004 und BMW 003 weitergebaut und hießen fortan RD - 10 ( JUMO 004) bzw. RD 20 ( BMW 003).

Das im Erprobungsstadium befindliche JUMO 012 wurde von der Junkersmannschaft in Russland fertig gebaut, verbessert und fand als TUMANSKI RD 9 in der JAK 27 Verwendung.

Aus dem PTL Projekt JUMO 022 ( PTL= Propeller Turbinenluftstrahl Triebwerk) entstanden die PTLTriebwerke NK 4- was z.B. im bekannten Verkehrsflugzeug IL 18 Verwendet wurde bzw. das stärkste PTL Triebwerk NK 12 mit 12170 Wellen PS was in den Flugzeugen Antonov AN 22 und Tupolew Tu 95 wie auch im Verkehrsflugzeug TU 114 eingebaut wurde.

Die anderen Alliierten hielten sich ebenfalls "nicht schadlos". So ist z.B. das Triebwerk desHubschraubers Bell UH 104 D, der sog. Teppichklopfer, von DR. Anselm Franz ( ehem. Junkersingenieur) entwickelt - Lycoming LTS 1B-1, Herr Pabst von Ohain, Strahltriebwerks -Profi bei Junkers und später bei Heinkel wurde von der US AIR Force verpflichtet und baute erfolgreich die AIR-Force Laboratorien auf.

1992 wurde ein Bericht veröffentlicht, worin" zwischen den Zeilen" mehr oder weniger zugegeben wurde, das die beschlagnahmten deutschen Entwicklungsprojekte bis Anfang der 1970 er Jahre verwendet wurden. Als Beispiel seine hier die fast baugleichen Jagdflugzeuge MIG 15 / F 86 oder das im Jahre 1946 von Brunolf Baade in der SU entworfene Projekt EF 137 genannt, aus dem dann die MIG 23 abgeleitet wurde.

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