#1 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 30.05.2012 10:48

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Sternschanze oder auch Fort Berge

#2 RE: Speziell der Stern von seppel01 11.11.2012 16:44



Fotografie des Fort Berge um 1880, Magdeburg, Deutschland Urheber: Unbekannt, public domain, da Schutzfrist abgelaufen Bildquelle: Helmut Asmus

#3 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 08.04.2013 20:56

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dreamies.de

#4 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 31.03.2015 11:46

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Des Volkes Stimme 31.3.15

#5 RE: Speziell der Stern von Hugo 07.08.2017 20:59

In der Zeitschrift "Der Städtebau", Heft 6 von 1905 habe ich folgenden interessanten Artikel gefunden. Vielleicht sollte er auch Anlass zum Nachdenken sein - nicht alles, weil es alt ist auf Teufel komm raus zum erhaltenswerten Kulturgut zu machen.

DIE BEBAUUNG DES SOGENANNTEN „STERN-
GELÄNDES" VON MAGDEBURG.
Von Stadtbaurat PETERS, Magdeburg.

Zwischen das südliche Ende der Altstadt Magdeburg und die Vorstadt Buckau schob sich der erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, d. h. also erst vor etwa drei Jahrzehnten hergestellte gewaltige Festungsgürtel in seinem südlichen Verlaufe bis zur Stromelbe ein, indem er hier den berühmten ^Stern", ein in sich bisher vollkommen abgeschlossenes Festungswerk anschnitt, bezw. sich mit ihm vereinte. Nachdem der gesamte, mit einem Kostenaufwand von vielen Millionen Mark hergestellte Befestigungswall von etwa 6 km Länge, welcher auch das damals nach Westen und Süden erheblich erweiterte Magdeburg immer noch einschnürte und von den Vorstädten trennte, jetzt endgültig aufgegeben ist, wurde es nach langwierigen Verhandlungen der Stadt mit der Militärbehörde ermöglicht, das von dem Sternwerk eingenommene Gelände, von etwa 9 ha Größe durch Austausch mit städtischem Gelände in der „Nordfront" - das bereits nach einem früheren Vertrage in den Besitz der Stadt übergegangen war - zu erwerben, um es der Bebauung zu erschließen. Für die Verbindung der südlichen Altstadt mit Buckau sind damit die hemmenden Fesseln endlich gefallen, und es ist jetzt ein organisches Zusammenwachsen der beiden Stadtteile durch einen Bebauungsplan in die Wege geleitet, dessen Verwirklichung augenblicklich in Angriff genommen ist. Es kommt dazu, dass außer der im Jahre 1903 dem Verkehr übergebenen ,,Königsbrücke" ein zweiter Brücken-Neubau hier im Süden der Altstadt geplant ist, über dessen genaue Lage zwar bisher eine Einigung im Schoße der städtischen Behörden noch nicht hat erzielt werden können, auf den aber notwendig für die Zukunft Rücksicht genommen werden musste. Der Bebauungsplan, wie er endgültig angenommen ist und hier mitgeteilt wird, ist also lediglich aus Verkehrsinteresse entstanden und hat somit den zahlreichen, sehr schwierigen, örtlichen Verhältnissen, in Angliederung an eine vollzogene Bebauung und in Ergänzung gegebener Verkehrsbedingungen Rechnung zu tragen. Dabei ist den Verhältnissen des kolossalen Festungswerks zu entsprechen gewesen, indem die Führung der Straßen aus praktischen Rücksichten möglichst der Richtung der tiefen Wallgräben folgen sollte.
Dass das letztere bei der ganz regelmäßigen Sterngestalt des Festungswerks ziemlich schwierig war, versteht sich von selbst; es ist die vollständige Einverleibung der Wallgrabenzüge, d. h. ihrer am tiefsten eingeschnittenen Teile, an denen sich auch naturgemäß die starken, massiven ,,Revétements" befinden, nicht durchzuführen möglich gewesen, da der Bebauungsplan eine wunderbare Gestalt erhalten haben würde.
Wie verzwickt trotz einfachster Grundanlage der aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts entstammende, unter Friedrich Wilhelm I. begonnene, unter Friedrich IL, dem Großen, vollendete Befestigungsbau ausgeführt ist, mit welcher Berechnung sich die Form des aus rechteckigem Grundriss entwickelten Sterns bis in das weitverzweigte Minensystem zur Verteidigung des Glacisgeländes fortsetzt, zeigt die beigegebene Abbildung des Lageplanes, der infolge der jetzt beendeten Rasierung und der begonnenen Einrichtung des Geländes zu Bauzwecken natürlich nicht mehr als Kriegsgeheimnis angesehen zu werden braucht. Es ist aber geradezu erstaunlich, mit welch kolossalen Mauer- und Gewölbemassen die damalige Kriegskunst sich glaubte einrichten zu müssen, noch dazu unter Durchführung eines Verteidigungssystems gegen einen nach mathematischem Problem auf einen gewissen Angriffspunkt losrückenden Feind - hier handelte es sich um vier bzw. acht solcher Angriffsrichtungen. Aus dem Bau ersieht man übrigens deutlich, wie der in den 70er Jahren hergestellte neue Hauptgürtel der Festung die bisherige vollkommene regelmäßige Gestalt des Sterns anschnitt, wobei die für die allgemeine Vorflut des Festungsgeländes wichtige Grabenentwässerung mittelst unterirdischen Lünettenkanals durch den Innenhof der Sternschanze hindurchgeleitet werden musste.

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Alles in Allem war der ,,Stern" von Magdeburg als ein höchst interessantes Beispiel der Befestigungskunst nach den Vaubanschen Vorbildern anzusehen, und mag es von diesem Standpunkt aus bedauerlich erscheinen, dass diese imponierenden Befestigungsbauten, die sich übrigens äußerlich nicht im mindesten kennzeichneten abgesehen vom Hauptportal, das denn auch pietätvoll erhalten bleiben soll - so ganz dem Erdboden gleich gemacht werden sollten! Eine irgendwie zu rechtfertigende Verwertung war aber nach Aufgabe des Kriegswerks seitens der Militärverwaltung und Erwerb des Geländes durch die Stadt geradezu ausgeschlossen. Des Kuriosiums halber mag erwähnt werden, dass allerdings aus Bürgerkreisen heraus die Anregung erging, man möchte die riesigen Sternkasematten als Lagerräume verwenden, als Reservelazareth, sogar als Sehenswürdigkeit bewahren und nach Einbrechen von Lichtöffnungen in die bombensicheren Gewölbe zu einer Art von Kriegsmuseum gestalten!
Die verschiedenen Vorschläge, die gewaltigen Kasemattengewölbe, wenn irgend möglich, zu erhalten, zeugen immerhin von dem außergewöhnlichen Eindrucke, den sie auf das Publikum machten, wennschon bei dem teueren Preise des Geländeerwerbs und gegenüber dem aus-gesprochenem Zwecke, diese Erwerbung seitens der Stadt nur im Interesse des Verkehrs und der organischen Entwicklung des Bebauungsplanes zu bewirken, die laienhaften Wünsche wohlmeinender Bürger nicht die geringste Berechtigung haben konnten. Das Gelände war übrigens von der Militärverwaltung ursprünglich selbst als Bauplatz für ein großes Militärlazarett bestimmt, dessen Errichtung an dieser Stelle für die Entwicklung der Stadt recht unerwünscht gewesen wäre. Dank dem persönlichen Bemühen des kommandierenden Generals wurde noch im letzten Augenblicke eine anderweitige Lage dafür in Aussicht genommen; aber Niemand dachte je daran, die ungeheuren Gewölbebauten des „Sterns" als der Erhaltung würdig, der Nachwelt zu überliefern. Nachdem die Stadt glückliche Besitzerin zufolge des Austauschgeschäftes mit dem Militärfiskus geworden war, konnte der Provinzial- Konservator für die Erhaltung der Denkmäler nicht umhin, auf den Charakter des „Sterns" als Monumentalbauwerk aufmerksam zu machen, und es fehlte nicht viel, dass die Einstellung der bereits in Ausführung begriffenen Abbruchs- und Einebnungsarbeiten tatsächlich erfolgt wäre!
Glücklicherweise entschied sich das maßgebliche Ministerium im anderen Sinne, so dass keine weitere Schwierigkeit entstand. In welche Verwicklungen man übrigens geraten wäre, wenn nach Verfügung des einen Ministeriums das Sterngelände hätte erhalten bleiben müssen, das von dem anderen, dem Kriegsministerium, bereits als Bebauungsland abgeschätzt und veräußert war, das soll nur nebenher angedeutet werden!
Die Bemühungen der Denkmalspflege sind ja durchaus anerkennenswert, aber die Anforderungen können auch über das Ziel des Erreichbaren hinausschießen, zumal bei dem vorliegenden plumpen Kriegsbauwerk durch die neueren Ausführungen der 70er Jahre der Zustand des ursprünglichen „Sterns" so einschneidend verändert war, dass man z. B. nicht mit einer einzigen ursprünglichen Fenster- oder Schießschartenöffnung mehr zu tun hatte.
Die Kunst hatte sich nur an dem Portal betätigt, dessen Erhaltung, etwa in der Art der sehr gelungenen Ausbildung der Stettiner Festungsportale ins Auge gefasst ist.
Sonst darf vielleicht nur noch der Kasematte des berühmten Freiherrn von der Trenck Erwähnung geschehen, ohne dass der betreffende Bau auf die Bedeutung eines historischen Denkmals natürlich Anspruch hätte erheben dürfen. Bekanntlich hatte Friedrich der Große dem Tatendrang des immerhin interessanten und für seine Zeit charakteristischen Abenteurers hie ein vorläufiges Ziel gesetzt, nachdem mehrere Ausbruchsversuche Trencks aus der Zitadelle noch im letzten Augenblick vereitelt waren. Ein fester überwölbter Bau, wurde im Wallgraben des „Stern" auf Befehl des Königs errichtet, und in einem winzigen, nur spärlich beleuchteten Raume durfte der durch alle Schicksalschläge keinen Augenblick entmutigte Mann über seine leichtsinnigen Streiche etwa 10 Jahre lang nachdenken, deren Art übrigens bis jetzt unaufgeklärt geblieben ist; Trenck selbst schweigt sich vorsichtiger Weise in seinen „Denkwürdigkeiten" darüber aus. Gleichzeitig beherbergte der „Stern" einen anderen Gefangenen von Bedeutung, den Ingenieurgeneral von Wallrave, den eigentlichen Erbauer des „Sterns", der wegen seiner Unterschleife auf Befehl des Alten Fritzen festgesetzt wurde, zum großen Ärger des minder begünstigten Leidensgenossen Trenck sich aber eines ziemlich lustigen Lebens erfreute.
Die Beseitigung der mehrere Meter dicken Futter-und Widerlagsmauern wie der meterstarken Bruchsteingewölbe ist mit erheblichen Schwierigkeiten und Kosten verknüpft; letztere sind beim Austauschgeschäft zwischen Militärfiskus und Stadt in Berücksichtigung gezogen. Da mit der gewöhnlichen Handarbeit nichts zu schaffen sein würde, ist das Magdeburger Pionierbataillon Nr. 4 ersucht worden, durch Sprengungen die Abbruchsarbeiten zu erleichtern. Die hier vorliegenden Aufgaben bildeten vorzügliche Studien für den Mineur, wie sie sonst nur im Kriegsfall geboten werden, so dass dem Antrage der Stadt in bereitwilligster Weise entsprochen wurde.
Der für das ,,Sterngelände" aufgestellte Bebauungsplan zeigt eine Fortsetzung der Sternstraße, welche die Verlängerung des ,,Breiten Wegs" bildet, ferner die Augustastraße, die vornehmste Wohnstraße von Magdeburg, deren Charakter durch Anordnung einer gärtnerischen Anlage in der Mitte und beiderseitiger Alleebäume gewahrt bleiben soll (jetzt: Harnackstraße). Für die Verbindung zur beabsichtigten südlichen Elbbrücke musste die Rücksicht auf möglichste Schonung der prächtigen Parkanlagen des Friedrich-Wilhelmsgartens maßgebend sein. Da die Sternallee und die Schönebecker Straße behufs Überführung über die Gleise der Verbindungsbahn erheblich angehoben werden müssen, ergibt sich von selbst eine lebhafte Bewegung für das Gelände des Bebauungsplans, der auch insofern abwechslungsreich genug erscheint, als die nördlichen Baublöcke für altstädtische viergeschossige Bebauung bestimmt sind, während die südlichen, jenseits der Brückenstraße der Baubeschränkung hinsichtlich Gebäudehöhe, Zahl der Wohngeschosse übereinander, Anordnung des Bauwichs usw. unterliegen sollen. Von den, das Sterngelände im Süden und Osten umgebenden herrlichen Parkanlagen soll auf diese Weise ein allmählicher Übergang zur geschlossenen Bauart stattfinden. Nach der ganzen Lage wird mit Bestimmtheit auf das rasche Entstehen eines neuen bevorzugten Stadtteils von Magdeburg auf diesem ehemaligen Kriegsgelände zu rechnen sein.

#6 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 07.08.2017 21:05

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Hugo, super!!!!!

#7 RE: Speziell der Stern von Sudenburger 07.08.2017 23:00

Zum Stern gibt es von Peters auch einen ausführlichen Artikel in "Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg", O. Peters, „Der „Stern“ und seine Geschichte“, Band: 39-40; 1904/1905; S. 238-256

Zusammengefasst zum Abriss:

Im Jahre 1904 wird das Gelände an die Stadt Magdeburg verkauft und das Fort durch das Magdeburger Pionier-Bataillon gesprengt. Es wurden in ca. 6 Monate insgesamt 713 Sprengladungen benötigt, um die ca. 40.000 qbm Mauerwerk zu zerlegen. Die gesamte Anlage hatte eine Größe von ca. 8,5 ha.

#8 RE: Speziell der Stern von Sudenburger 08.08.2017 18:33

Hier der Link zum Artikel im "Internet Archiv":

https://archive.org/stream/Geschichtsblt...e/n249/mode/2up

#9 RE: Speziell der Stern von Hugo 08.08.2017 22:31

Danke für die Information.
Ich habe die Geschichtsblätter auch (z. T. im Original) und hatte bisher noch nicht viel mit Festungswesen am Hut - da gibt es doch im Heimatverein eine spezielle Gruppe, die sich mit diesen Dingen beschäftigt. Den Artikel von Peters in Städtebau fand ich nur sehr prägnant und instruktiv, so dass ich ihn hier mal eingestellt hatte. In den Geschichtsblättern geht er ja sehr ausführlich auf Wallrave und v. d. Trenck ein. Wobei ich zu Wallrave die Meinung vertrete, dass dieser aus Sicherheitsgründen prophylaktisch weggesperrt wurde, nicht wegen eines nachgewiesenen Vergehens. Das erklärt auch die Gratifikation und den Komfort, den er während der Haft genossen hat.
Peters hat in seinem ausführlichen Beitrag allerdings einer grundsätzlichen Frage Raum gegeben: wofür der Millionenaufwand für die Festung und den Stern?
Die 40 000 Kubikmeter Mauerwerk für den Stern entsprechen ja fast 5 % des in der Rappbode-Talsperre-Staumauer verbauten Betons. Und die Erneuerung der Befestigungsanlagen nach 1869 haben auch ganz schön ins Kontor geschlagen. Ergebnis des Festungsbaus war, dass Kommandant v. Kleist an Marschall Ney Magdeburg kampflos übergeben hat und auch die Besetzung der Festung durch Napoleon bis zur Befreiung durch v. Tauentzien keinen Beweis für die Wirksamkeit und den Nutzen dieser Anlage erbringen konnte. Bei Sternschanzen war man sich übrigens schon lange einig, dass sie militärisch fragwürdig sind, weil die Geradeausverteidigung von den Spitzen aus recht schwache Wirkungen zeigt, die Gefahr für die in den Spitzen gedrängten Verteidiger durch Kartätschenbeschuss recht hoch ist und der verfügbare Raum im Stern nur begrenzte Kapazitäten an Personal und Vorräten zulässt. Allgemein ging man davon aus, dass Sternschanzen mehr Beachtung in der Theorie, als in der Praxis gefunden haben (z.B. hier: Der Krieg und seine Mittel. Eine allgemein fassliche Darstellung der ganzen Kriegskunst von W. Rüstow, Leipzig, Verlag von Gustav Mayer. 1850, Seite 604 f.). Vielleicht wollten die nimmermüden Krieger in Magdeburg noch etwas einmaliges schaffen, als sie die Verlegung der Festungsanlagen am Südrand der Altstadt benutzten, um diese mit dem "Stern" zu vereinigen.
Ansonsten finde ich "Magdeburg und seine Baudenkmäler" von O. Peters (1902) und "Die Baugeschichte der Stadt und Festung Magdeburg" von E. Wolfrom (1936) sehr instruktiv für einen Überblick zur Festungsgeschichte.

#10 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 09.08.2017 09:59

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Köntest du den Artikel von Peters im Städtebau scanen und im Original hier reinstellen?

#11 RE: Speziell der Stern von Hugo 09.08.2017 12:28

Bitte schön!

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#12 RE: Speziell der Stern von MAGADO-2 09.08.2017 12:59

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Dankeschön

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