#1 Salzwedel von virago 10.02.2020 10:07

Hallo,

bin seit gestern hier angemeldet. Schwerpunkt meines Interesses ist die Garnisonsgeschichte meiner Heimatstadt Salzwedel. Einiges steht hier ja bereits im Forum, aber ich möchte die Informationen "verdichten" indem ich hier dieses neue Thema aufmache ...
Für relativ bescheidenes Geld konnte ich ein Standardwerk zur preußischen Militärgeschichte erwerben: “ Die Kampfhandlungen der brandenburgisch-preussischen Armee 1626-1807. Ein Quellenhandbuch“. Das Buch erschien 1964 und entstand in der Reihe „Veröffentlichungen der historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin“.

Der Autor Dr. Günther Gieraths war zwischen 1936 bis Ende des II. Weltkrieges Direktor der Deutschen Heeresbücherei und hatte als solcher Zugriff auf Quellenmaterial, dass durch den Krieg zerstört wurde. Gewisse Parallelen zu Priesdorff sind sichtbar …

Der Priesdorff befindet sich ebenfalls in meinem Besitz.

Salzwedel hat eine lange Tradition als Garnisonsstadt. Vor 1806 waren hier stationiert:
- 1691 Kür.-Reg. 9
- 1713 – 1731 Kür.-Reg. 3
- 1714 Inf.-Reg. 20
- 1727 – 1806 Kür.-Reg. 7
- 1742 Kür.-Reg. 8

Natürlich waren meist nicht die vollständigen Regimenter in Salzwedel stationiert, sondern nur Teile, einzelne Eskadronen oder Kompanien etwa. Diese Angaben stammen aus o.a. Buch.

Schwerpunkt meines Interesses ist im Moment das altpreußische Kürassier-Regiment 7, welches zwischen 1727 und 1806 in Salzwedel in Garnison lag.

#2 RE: Salzwedel von virago 10.02.2020 12:27

Zur Geschichte des Kürassier-Regiments 7, Teil I, Von der Aufstellung bis 1717

1 Aufstellung und Organisation
Das von mir als „Salzwedeler Kürassiere“ bezeichnete Truppenteil beginnt seine Geschichte nicht im Jahr 1727, als das Kürassier-Regiment in der Altmark stationiert wurde, sondern seine Aufstellung erfolgte bereits 1688/89 (nach anderen Quellen 1689/90. Dem widerspricht die Tatsache, das das Regiment bereits 1689 im Einsatz war).

1.1 Aufstellung
Auf Befehl des damaligen Kurfürsten von Brandenburg Friedrich III. (als „König in Preußen“ ab 1701 Friedrich I.), erfolgte im Winter 1688/89 die Aufstellung eines Dragoner-Regiments „durch den Schloßhauptmann, Cammerherrn und Obristen Friedrich Wilhelm Freiherrn von Wittenhorst zu Sonsfeld“ in (Ost)Preußen. Den damaligen Gepflogenheiten folgend, erhielt das Regiment keine Nummer, sondern wurde unter dem Namen des jeweiligen Chefs geführt. Da der Name unseres Freiherrn wenig geeignet war, denselben immer in voller Länge zu nennen, hatten wir es nach Aufstellung mit dem Dragoner-Regiment „von Sonsfeld“ zu tun. Ostpreußen wurde zum Ort der Aufstellung gewählt, da es das „Vaterland vortrefflicher Pferde“ war, d.h. dass die Aufstellung in einer Gegend stattfand, die berühmt für ihre Pferdezucht war.

Über unseren Freiherrn ist nicht sonderlich viel zu finden, einige biographische Daten schon:
• geb. 9.3.1636 zu Sonsfeld, Kreis Rees (Cleve)
• Vater: Hermann, Herr auf Sonsfeld, kurbrandurgisch-clevischer Geheimer Hof- und Regierungsrat, gest. 1651
• Mutter: Wilhelmine, geb von Gent zu Dieden
• 10.5.1688 kurbrandenburgischer Kammerherr
• 21.10.1688 Obrist und Chef einer selbst geworbenen Eskadron Dragoner (der „Keimzelle“ des Dragoner-Regiments)
• 20.1.1692 Brigadier und Chef eines Dragoner-Regiments
• 5.5.1694 Generalmajor
• 2.2.1704 Generallieutenant
• 18.1.1706 Ritter des "hohen Ordres vom Schwarzen Adler"
• gest. 19.5.1711
Neben den Einkünften aus ihren Regimentern wurden die Herren Regimentschefs mit allerlei lukrativen Ämtern versehen, die sie meist gar nicht ausübten, so aber finanziell sicher gestellt wurden. Unser Freiherr war so also Erbschenk des Herzogtums Cleve, Schloßhauptmann von Berlin, Drost zu Lümors, Huissen und Zevenar.
Wie eng eine gute Karriere auch mit den Förderern zusammenhing, erkennt man daran, dass einer seiner Söhne (Friedrich Otto) in seinem Regiment diente und später General und Chef eines Dragoner-Regimentes wurde. Die Generale Graf von Lottum und von der Marwitz waren seine Schwiegersöhne.

1.1.1 Gliederung und Rangliste

Das Regiment hatte bei Aufstellung 3 Kompanien und wurde durch zwei „Perbandtsche Freikompanien“ auf 5 verstärkt (wahrscheinlich handelt es sich um Kompanien des brandenburgischen Obersts Gottfried von Perbandt). 1691 um 3 weitere Kompanien verstärkt, musste es im selben Jahr eine Kompanie zur Aufstellung eines weiteren Dragonerregimentes abgeben, so dass sein Bestand nunmehr 7 Kompanien umfasste.

1.1.1.1 Rangliste 1694
Aus dieser Zeit finden wir beim „Königlichen Staats-Archivar und Geheimen Archivrath“ George Adalbert von Mülverstedt auch die erste Rangliste (im 19. „Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel“ von 1879) unseres Dragoner-Regimentes aus dem Jahr 1694. Traditionell werden in solchen Ranglisten lediglich die Offiziere in den entsprechenden Dienststellungen genannt:

1. Compagnie
Chef: Brigadier Friedrich Wilhelm von Wittenhorst zu Sonsfeld
Lieutnant: Hans Caspar von Cosel
2. Compagnie
Chef: Obristlieutenant Wilhelm Heinrich Danckelmann
Lieutenant: Christoph Ludwig von Caphengst
Fähnrich: Gerd Jacob Danckelmann
3. Compagnie
Chef: Major George Friedrich von der Albe
Lieutenant: Jobst de St. Sauveur de Montbell
Fähnrich: Jacob Friedrich von Justin
4. Compagnie
Chef: Capitain Christoph Joachim von Brummsee
Lieutenant: R. Chambeud de Charrier
Fähnrich: Gotthard Kraft van Mylendonck
5. Compagnie
Chef: Capitain Friedrich Wilhelm von Bodelschwingh
Fähnrich: Friedrich Wilhelm von Bawyr
6. Compagnie
Chef: Capitain Friedrich Egel
Lieutenant: Martin Grau
Fähnrich: Joachim Friedrich von Köppen
7. Compagnie
Chef: Capitain Otto Friedrich Freiherr von Gent
Lieutenant: Alexander Häseler von Hüttenphül

An dieser Stelle seien einige Bemerkungen gestattet.
1. Die „bunte“ Zusammensetzung des Offizierskorps ist auffällig. Nach Mülverstedt finden wir Westfalen, Preußen, Franzosen und „Ausländer“
2. Noch auffälliger ist, dass durchaus nicht alle Offiziere adlig sind. Wir finden immerhin 4 (von 18) Offizieren ohne das berühmte „von“ im Namen. Interessant auch, dass einige davon später nobilitiert, d.h. geadelt zu worden scheinen.
3. Eine einheitliche Struktur ist nicht erkennbar. In 4 der 7 Kompanien gibt es 3 Offiziere, in 3en dagegen nur 2.



Von den hier aufgeführten Offizieren erreichten später 4 den Generalsrang in der preußischen Armee:

1. wie bereits aufgeführt der erste Chef des Regiments, von Wittenhorst zu Sonsfeld, starb 1711 als Generalleutnant
2. George Friedrich von der Albe. Nachfolger von Nummer 1 als Chef des Regiments. 1711 zum Chef ernannt wurde er 1713 Generalmajor
3. Hans Caspar von Cosel, war von 1727 bis 1737 Chef des Dragonerregiments 6, zuletzt Generalleutnant.
4. Friedrich Egel, inzwischen nobilitiert (Jahr nicht bekannt) war von 1723 bis 1734 Chef des Kürassier-Regimentes 8, starb als Generalleutnant.

Zurück zur Entwicklung des Regiments selbst. Die Anzahl der Kompanien schwankte noch einige Male:
• 1697 wurde das Regiment auf 3 Kompanien gekürzt
• 1699 wieder auf 4 gesetzt
• 1703 und 1705 wurden jeweils 2 weitere Kompanien geworben, so dass am Ende 8 Kompanien im Bestand waren

Die Kompanien handelten selbst nicht als taktische Einheit, sondern wurden zu Eskadronen oder Schwadronen zusammengefasst, 2 Kompanien bildeten eine Eskadron (etwas verwunderlich deshalb die ungerade Anzahl an Kompanien). Ab 1705 bestand unser Regiment also aus 4 Eskadronen, oder – in der Sprache der Zeit - „Eskadrons“.

2 Einsätze des Regiments 1689 bis 1712

Bereits 1689 kam das Regiment zum Einsatz. Im Bestand eines brandenburgischen Kontingents nahm es am pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich teil, u. a. war es an der Belagerung Bonns 1689 beteiligt, kämpfte 1690 in den Spanischen Niederlanden (heute Belgien), stand 1692 bei Brüssel, und war 1694 an der Belagerung der Stadt Huy beteiligt. Hier ist lt. Mülverstedt in den Akten der „Geheimen Kriegs-Canzlei zu Berlin“ vermerkt, dass „Obrist von Sonsfeld durch eine Flintenkugel eine Konstitution der Brust“ erhalten habe. Näheres über Verwundungen oder gar gefallene Soldaten des Regimentes erfährt man natürlich nicht.

1695 beteiligten sich unsere Dragoner an der Belagerung von Namur und es wird erwähnt, dass bei einem Reitergefecht bei Honnef (heute Bad Honnef) „dem Obristlieutenant Danckelmann und Major von Brummsee die Pferde unter dem Leibe erschossen, beide blessiert und sodann gefangen genommen worden seien“.

1697 stand unser Regiment in Jülich und Cleve um diese brandenburgischen Landesteile vor marodierenden französischen Truppen zu schützen.

Nach dem Frieden von Rijswik 1697 wurde es – wie fast alle stehenden Regimenter des brandenburgischen Heeres – aus finanziellen Gründen deutlich reduziert (von 7 auf 3 Kompanien), bereits 1699 wieder auf 4 verstärkt.

Die Teilnahme brandenburgischer Kontingente am Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) war die Bedingung, die Kaiser Leopold an die Anerkennung der Krönung des Kurfürsten Friedrich III. zum König in Preußen gesetzt hatte. Der nunmehrige König Friedrich I. erfüllte diese Bedingung nach erfolgter Krönung 1701 und so finden wir die Sonsfeld-Dragoner auch auf den Schlachtfeldern dieses Krieges:
1702 18. April bis 15. Juni, Belagerung von Kempen
29. August bis 23. September Belagerung von Venloo
24. Oktober bis
1703 07. Februar, Belagerung von Rheinberg
30. März bis 22. Dezember, Belagerung von Geldern
1704 13. August, (zweite) Schlacht von Höchstädt. Das Regiment erobert 2 silberne Pauken, die es nunmehr ständig führt
1705 16. August, Schlacht von Cassano unter Prinz Eugen von Savoyen
1706 7. September, Schlacht von Turin
1707 26. Juli bis 12. August, Belagerung von Toulon
1708 11. Juli, Schlacht von Oudenaarde (Belgien)
22. Oktober, Eroberung von Lille (seit Sommer Belagerung)
1709 27. Juni bis 5. September, Belagerung von Dornick
11. September, Schlacht von Malpaquet
1710 25. April bis 25. Juni, Belagerung von Douai
13. September bis 09. November, Belagerung von Aire

3 Dragoner-Regiment von der Albe 1711 – 1717

Am 9. Mai 1711 starb Friedrich Wilhelm von Wittenhorst-Sonsfeld und der bisherige Kommandeur Oberst George Friedrich von der Albe wurde Chef desselben (bzw. bekam es verliehen).

Unter ihrem neuen Chef kämpften unsere Dragoner 1712 im Spanischen Erbfolgekrieg und nahmen vom 17. bis 28. Juli an der Belagerung von Landrecies teil (Frankreich).

Das Jahr 1713 brachte für Preußen einen neuen König: nach dem Tod Friedrich I. bestieg sein Sohn als Friedrich Wilhelm I. den Thron, der als „Soldatenkönig“ in die Geschichte einging.

3.1 Der (dritte) Nordische Krieg

Unmittelbar nach dem Ende des einen begann Preußen den nächsten Krieg ein: 1715 trat Preußen in die Endphase des Dritten Nordischen Krieges auf Seiten der antischwedischen Allianz ein. Für diese Teilnahme wurde ihm der südlich der Peene gelegene Teil Vorpommerns zugesagt. Bereits 1713 hatte Preußen die Stadt Stettin besetzt.

Schon damals aber galt: So schnell schießen die Preußen nicht! Friedrich Wilhelm I. schloss sich nicht sofort der Allianz an, vielmehr wurden umfangreiche und langwierige Verhandlungen mit Dänemark, Sachsen, Russland und (später) Hannover geführt. Ziel war es, im Falle einer Niederlage Schwedens tatsächlichen Gebietsgewinn zu erreichen. Der neue König erinnerte sich wohl zu sehr daran, dass Brandenburg-Preußen einige Male in seiner Geschichte trotz beträchtlichem militärischen Engagements und auch großer Erfolge seiner Truppen leer ausgegangen war …

In der Zeit zwischen der Thronbesteigung des Soldatenkönigs (1713) und dem Beginn der militärischen Beteiligung Preußens am Großen Nordischen Krieg (Mai 1715) war man zwar „neutral“, achtete aber darauf, dass Schweden seine Armee in Norddeutschland nicht durch Truppen aus Hessen (der Landgraf von Hessen-Kassel war mit Karl XII. von Schweden verwandt), neu geworbene Truppen oder durch das in Zweibrücken (hier war Karl XII. Landesherr) stehende Infanterie-Regiment „von Leuthrum“ verstärken konnte. Man verwehrte den schwedischen Truppen schlichtweg den Durchmarsch und traf Vorbereitungen einen eventuellen gewaltsamen Marsch in Richtung Ostseeküste zu verhindern.

Die Schweden sahen von einem direkten Vormarsch ab, allerdings wurden die Regimenter scheinbar aufgelöst und die Soldaten hatten Befehl sich in kleinen Abteilungen nach Pommern durchzuschlagen. So meldet jedenfalls unser Generalmajor von der Albe Anfang November 1714 die Festnahme von 70 Schweden des Infanterie-Regiments von Leuthrum „in der Gegend von Magdeburg“. In der selben Quelle wird der Aufenthaltsort des „Albeschen Dragoner-Regiments“ im „Halberstädtischen“ genannt.

Bereits im Verlaufe des Jahres 1714 waren durch Preußen umfangreiche Vorbereitungen für den bevorstehenden Krieg getroffen worden. Am 01. März 1715 erfolgte nunmehr die „Namhaftmachung“ der für den Feldzug gegen Schweden vorgesehenen Truppen. Insgesamt handelte es sich um 17 Infanterie-Regimenter, 4 selbständige Bataillone und 16 Kavallerie-Regimenter, u.a. unser Regiment.

Die Regimenter erhielten den Befehl, sich bis zum 20. April in einem Lager bei Schwedt zu sammeln. Am 18. März wurde befohlen den Abmarsch zu verschieben und sich am 01. Mai bei Stettin zu sammeln.
Die Besetzung Usedoms (und vorher Wolgasts) wurde schließlich zum Anlass genommen, militärisch gegen Schweden aktiv zu werden.

Im Zuge des sogenannten Pommernfeldzuges nahm das Dragonerregiment von der Albe mit jeweils 2 Eskadronen an den Belagerungen Stralsunds (1715) und Wismars (1715/1716) teil. Der Chef des Regiments kommandierte die an der Belagerung Wismars beteiligten preußischen Truppen (2 Infanteriebataillone und eben die 2 Eskadrons seines Regimentes).
3.2 Rangliste 1717
Aus dem Jahr 1717 liegt wiederum eine Rangliste vor:

Chef Generalmajor George Friedrich von der Albe
Obrist Christoph Joachim von Brumsee
Obrist Friedrich von Egel
Obristlieutenant Hans Caspar von Cosel
Obristlieutenant Otto Friedrich von Sonsfeld
Major Christoph Ulrich von Blankenburg
Capitain Caspar Friedrich von Gaudecker
Capitain Johann George von Voß
Capitain Joachim de la Bergerie
Capitain Friedrich Andreas von Kappen
Capitain Friedrich Alexander von Röhl
Lieutenant Maximilian Heinrich von Cortenbach
Lieutenant Franz Kurzfleisch
Lieutenant Johann von Mirbach
Lieutenant Johann Friedrich von der Albe
Fähnrich Wolf Friedrich von Schlichting
Fähnrich Dietrich von Romberg
Fähnrich Melchior Erdmann von Knobloch

Wir finden neben den beiden bereits genannten (Cosel und der inzwischen nobilitierte Egel) 2 weitere Offiziere , die später den Generalsrang erreichten:
• Otto Friedrich vonWittenhorst zu Sonsfeld (Sohn des ersten Chefs unseres Regiments),
1725 bis 1742 Chef des Dragonerregiments 2, wurde 1728 Generalmajor und 1739 Generalleutnant, 1742 ausgeschieden
• Alexander von Röhl, 1742 bis 1745 Chef des Dragonerregiments 7, gefallen bei Meissen

Interessant außerdem der Leutnant Franz Korzfleisch, der 1731 nobilitiert wurde und als Oberst und Kommandeur des Kürassier-Regimentes 8 ebenfalls bei Meissen fiel.

1717 starb der Chef des Regiments, Generalmajor von der Albe,und wenig später wurde aus den Dragonern Kürassiere bzw. um bei den zeitgenössischen Bezeichnungen zu bleiben ein „Regiment zu Pferde“. Ein neues Kapitel der Regimentsgeschichte wurde aufgeschlagen …

Quellen:
„Zur Militairgeschichte der Altmark im vorigen Jahrhundert“ G. A. von Mülverstedt, in „Neunzehnter Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel“, 1879
„Geschichte der Königl. Preußischen Kürassiere und Dragoner 1619 – 1870“, „Mit Benutzung amtlicher Quellen bearbeitet von Alt, Premier-Lieutenant im See-Bataillon“, 1870
„Baltische Studien von der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde“ Neue Folge Band VII, Stettin 1903

#3 RE: Salzwedel von MAGADO-2 10.02.2020 12:32

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sehr gut

#4 RE: Salzwedel von virago 10.02.2020 12:34

Liste der Chefs des Kürassier-Regimentes 7

1688 12.10. Freiherr v. Sonsfeld, Friedrich Wilhelm
1711 19.06. v. d. Albe, Georg Friedrich
1717 11.01. Graf v. Wylich und Lottum, Ludwig
1729 20.08. v. Papstein, Karl Friedrich
1733 28.07. v. Bredow, Friedrich Siegismund
1755 03.07. v. Driesen, Georg Wilhelm
1758 22.11. v. Horn, Christian Siegismund
1762 05.03. v. Manstein, Leopold Sebastian
1777 13.08. v. d. Marwitz, Gustav Ludwig
1784 13.06. Graf v. Kalckreuth, Friedrich Adolph
1788 11.07. v. Ilow, Otto Friedrich
1792 12.11. v. Borstell, Hans Friedrich Heinrich
1804 03.12. v. Reitzenstein, Heinrich August

#5 RE: Salzwedel von Hugo 12.02.2020 22:44

Hallo - ich liege außerhalb meines Themenbereichs, habe aber eine Information zum Regiment von Driesen. Ob sie hier schon irgendwie vorhanden ist, habe ich nicht geprüft. Die Fachleute werden es wissen und eventuell Neues an passender Stelle einordnen.

Im Archiv d. Kön. Kriegs-Ministeriums in Berlin gab es eine Rang- und Quartierliste aus Oktober 1755. Darin waren Regimenter mit ihren Garnisonorten aufgelistet. Diese waren für

Driesen zu Pferde: Salzwedel, Osterburg, Tangermünde, Arendsee, Arneburg, Seehausen, Lenzen, Werben

#6 RE: Salzwedel von Spaen 17.02.2020 16:51

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Hallo Virago,

1713 wurde das Bataillon Stille zum Feldregiment erhoben. Dabei sind Kompanien (vermutlich eine von den 3 neu aufgestellten) bis 1714 in einige Orte der Altmark gelegt worden.
Eine Kompanie war, wie du richtigerweise schreibst, in Salzwedel stationiert. Leider konnte ich bisher keine weitergehenden Angaben erhalten, da selbst spezielle Unterlagen (siehe mein Beitrag zur Regimentsgeschichte Reg.Nr.20) dazu nichts enthalten. Kannst du zu dem Sachverhalt weitergehende Angaben machen ?

#7 RE: Salzwedel von Hugo 17.02.2020 22:14

über den Grafen Friedrich Adolph von Kalckreuth habe ich für 1756 seinen Karrierebeginn im Garde du Corps gefunden:

Bild entfernt (keine Rechte)

#8 RE: Salzwedel von Hugo 17.02.2020 22:22

zur Geschichte des 7. Kürrasier-Regiments habe ich folgende Notiz:

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild entfernt (keine Rechte)

(diese Daten gelten für das Jahr 1787)

#9 RE: Salzwedel von virago 22.02.2020 20:56

Weiter mit der Geschichte des Kürassier-Regiments 7. Leider fehlen hier die Bilder. Das Dokument (und auch das vorhergehnde) findet ihr übrigens auf meiner Webseite unter https://www.kussaw.de/geschichte-kuerassier-regiment-7-2/ . Auch ein Teil III existiert schon. Teil IV über das Regiment im 2. Schlesischen Krieg ist (leider schon viel zu lange) in der Pipeline.

Geschichte des Königl. Preuß. Kürassier-Regiments Nr. 7

Teil II: Von 1717 bis 1740 - Friedenszeit

Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkungen 3
2 Vom Dragoner-Regiment zum „Regiment zu Pferde“ 4
2.1 Exkurs I – Das „Numerierungs- und Namensproblem“ 5
2.2 Exkurs II – Kürassiere und Dragoner 7
3 Verlegung nach Salzwedel 8
4 Das Kürassier-Regiment in Salzwedel 9
4.1 Exkurs III – Garnisonen des Regiments 10
5 Entwicklung des Regimentes bis 1740 11
5.1 Exkurs IV - Uniformierung 12


1 Vorbemerkungen

Am 09. Januar 1717 verstarb in Halberstadt der preußische Generalmajor (seit 1713) Ge­orge Friedrich von der Albe. Der Chef des uns interessierenden Dragoner-Regiments wur­de 54 Jahr alt. Sein Tod ist der Ausgangspunkt für meine weiteren Betrachtungen, denn damit begannen auch tiefgreifende Veränderungen für die Dragoner seines Regiments.
Albe hatte seit der Aufstellung des Regiments seinen Dienst in ihm verrichtet und verschiedene Dienststellungen bekleidet. In der ersten uns bekannten Rangliste von 1694 wird er als Major und Chef der 3 „Compagnie“ geführt, bereits 9 Jahre später ist er Oberst und Kommandeur des Regiments. 1710 wird von der Albe zum „Brigadier der Cavallerie“ ernannt, erhält nach dem Tode seines Vorgesetzten 1711 die Chefstelle des Dragonerre­giments verliehen und wird schließlich 1713 Generalmajor. Einige Quellen (z.B. der „Ge­heime Staats- und Archivrath von Mülverstaedt) führen in sogar als Genelleutnant, aber „besser informierte Kreise“ (siehe den Bezug zum Schreiben Friedrich Wilhelm I. weiter unten) bezeichnen ihn konsequent als Generalmajor und so wird dieser Dienstgrad wohl der korrekte sein.
Nichtsdestotrotz schien der General von der Albe bei seinem König in hohem Ansehen ge­standen zu haben, denn gleich in 2 überlieferten Dokumenten finden wir den Nachweis das der „Soldatenkönig“ sich seiner erinnerte.
Unmittelbar nach dessen Tod schreibt Friedrich Wilhelm I:

„ Den obersten von der Marwitz von wegen Denhofischen Regiment zu erbrechen.
Berlin, den 11. Jan. 1717
Mein lieber Marwitz. Weill der Gen. Major von der Alben leider gestorben, so befehle ich euch, daß ihr sollet 500 Mann commandiren und ein Batt. formiren und die Ley­che folgen und dry mall feuern, die fahnen werden mitgenommen, der ich bin Euer wohl affectionirter Freund.
Fr.Wilhelm“1

Beim hier genannten „Denhofischen Regiment“ handelt es sich wohl um das Infanterieregi­ment Ernst Graf Dönhoff (Nr. 21), dass im angegebenen Jahr – wie die „Albeschen Drago­ner“ - im“Halberstädtischen“ stand. Wir können davon ausgehen, dass das Bataillon Infan­terie zusätzlich zu den Dragonern zur Beisetzung befohlen wurde.
Neben diesem Beleg finden wir ein „Cabinetsschreiben“ in dem sich Friedrich Wilhelm um die Erziehung des Sohnes von Albe kümmert. Als der General starb, war sein einziger Sohn gerade einmal 10 Jahre alt. Noch zu Lebzeiten hatte von der Albe den „Geheime­rath“ von Berleps als Vormund für seinen Sohn bestellt und der König bestätigt in besag­tem Schreiben diese Vormundschaft und fordert gleichzeitig Auskunft über Kosten und In­halt der angedachten Erziehung. Die pädagogischen Vorstellungen des Herrn von Berleps über die Erziehung seines Mündels (das er gemeinsam mit seinem eigenen Sohn erziehen lassen wollte), korrigierte der König:
„sein son Kann er lassen lernen was er will aber Albe sein son soll das Pedantische Latin nich lernen aber die Historie von 100 Jahr her, seine Religion fundamentelle­ment, geographie und Mattematicke und die Rechenkunst fundamentellement, Perf­eck franscosisch, lesen schreiben fechten dantze und wen er in die Jahre kumen zu Halle reutten mehr soll Albe sein Sohn nicht lernen“. Und zum Abschluß noch „So wie ich es vorgeschrieben habe vor Albe, sein son kann er nach sein Gefallen aufer­ziehn“2.
Bei der vom König vorgegebenen Richtung wurde der Sohn Albes folgerichtig Offizier und brachte es bis zum Major in der preußischen Armee. Ich habe bei den Zitaten bewußt die sicherlich auch für die damalige Zeit eigentümliche Rechtschreibung und Grammatik des „Soldatenkönigs“ beibehalten …
Nach diesem Ausflug in die Gepflogenheiten jener Zeit und der Offenlegung der pädagogi­schen Grundsätze zur Erziehung eines jungen Adligen, wenden wir uns wieder unserem „Forschungsobjekt“ zu.

2 Vom Dragoner-Regiment zum „Regiment zu Pferde“
Unmittelbar nach der Thronbesteigung setzte der junge König umfangreiche Reformen in Gang – vorrangig wurde ein rigoroser Sparkurs umgesetzt – die sich auch auf die Armee auswirkten. Hier ging es allerdings nicht ums Sparen, ganz im Gegenteil: die Armee wurde unter Friedrich Wilhelm I. ständig vergrößert und ausgebaut.
Eine dieser Maßnahmen betraf auch unser Dragonerregiment. Im Jahr 1717, also unmit­telbar nach dem Tod des Generalmajors von der Albe, wurde es gemeinsam mit 2 weite­ren Dragonerregimenter zum „Regiment zu Pferde“ umformiert. Mit der Umsetzung dieses Vorhabens wurde der neuernannte Chef des Regimentes, Oberst Ludwig Graf von Wylich und Lottum betraut. Mit seinem Chef änderte unser Regiment dieses Mal nicht nur den Namen (es wurde nunmehr als „Regiment zu Pferde von Lottum“ in den Stammlisten ge­führt), sondern auch die Waffengattung.
Zum besseren Verständnis möchte ich an dieser Stelle auf die „Exkurse“ dieses Textes hinweisen.
Einhergehend mit der „Umwandlung“ zum Regiment zu Pferde wurde das Regiment um eine weitere Eskadron auf nunmehr 5 verstärkt.
2.1 Exkurs I – Das „Numerierungs- und Namensproblem“
Ich verwende sowohl im Blog als auch hier im Text die Bezeichnung „Kürassier-Regiment 7“, zumindest ab dem Jahr 1717. Das beinhaltet 2 Probleme:
Erstens
Die Bezeichnung Kürassiere – oder in der frankophon dominierten Sprache jener Zeit „Cuirassiers“ - war in Preußen lange Zeit nicht üblich. In der preußischen Armee hießen Truppenteile dieser Waffengattung traditionell „Regiment zu Pferde“. Die Bezeichnung „Cuirassiers“ taucht erstmalig in Parolebefehlen vom Sommer 1741 auf, war 1742 schon üblich und wurde ab 1758 inoffiziell, ab 1786 auch offiziell gebraucht.3
Dem besseren Verständnis wegen bleibe ich bei der gewählten Bezeichnung, auch wenn sie nur für einen bestimmten Zeitraum der Regimentsgeschichte offiziell war.
Zweitens
Ein weitaus schwierigeres Problem stellt die Nummerierung dar. Die Regimenter der (alt)preußischen Armee – also bis 1806 – führten keine Nummern. Stattdessen wurden sie nach den jeweiligen Chefs benannt. Das führte zu einigen Schwierigkeiten. Einerseits konnte es sein (und war auch so), das Offiziere gleichen Namens zur selben Zeit Chefs von Regimentern der gleichen Waffengattung waren. Als Beispiel möchte ich das weiter oben im Befehl des Königs erwähnte „Regiment von Dönhoff“ nennen: im Jahr 1717 gab es einmal das Infanterieregiment 2 unter dem Chef Otto Magnus von Dönhoff, zum ande­ren das gemeinte Infanterieregiment 21 unter Ernst Wladislaus von Dönhoff. In einem sol­chen Fall behalf man sich mit den Zusätzen „Alt“ und „Jung“, also hieß IR 2 „Alt-Dönhoff“, IR 21 „Jung-Dönhoff“. Mir ist kein Fall bekannt, dass drei Regimentschefs denselben Na­men führten, aber das Chaos ist zu erahnen. Hinzu kommt, dass ja auch eine Änderung eintreten konnte aus „Jung-Dönhoff“ konnte irgendwann einfach nur „Dönhoff“ werden, in einem unwahrscheinlichen aber möglichen Fall sogar „Alt-Dönhoff“. Diese „Umbenennung“ könnte sich in einem kurzen Zeitraum von vielleicht 20 Jahren zutragen und mit jedem dieser Namensvarianten war immer ein und dasselbe Truppenteil gemeint.
Auch Regimentschefs gleichen Namens zu verschiedenen Zeiten tragen zur Verwirrung bei – man denke nur an die weit verzweigten Familien Kleist, Bredow, Marwitz oder an die altmärkischen Schulenburgs und Knesebecks.
Eine Erklärung für dieses so unpreußische Durcheinander und den von Miltärhistorikern angewandten „Trick“ um dieses Durcheinander zu mildern bzw. zu durchschauen fand ich schließlich in dem Buch „Geschichte der Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Königlich Preußischen Heeres. Zweiter Teil. Die Kürassier- und Dragoner-Regi­menter seit Anfang des 18. Jahrhunderts bis zur Reorganisation der Armee 1808“, erschienen 1906 in Weimar „auf allerhöchsten Befehl“. Zitat:
§2
Die Regimenter wurden im brandenburgisch-preußischen Heere bis zur Reorganisa­tion der Armee 1808 nur nach den Namen ihrer Chefs benannt, einige Garde- und Leibregi­menter ausgenommen. In den gedruckten Stammlisten von 1756 bis 1806 ist zwar jedes Regiment unter einer Nummer aufgeführt, für die das Stiftungsjahr des Regiments maßge­bend war. Zur Bezeichnung der Regimenter wurden jedoch diese Nummern nie verwandt, selbst dann nicht, als im Jahre 1787 die Reihenfolge der Regimenter, wie sie in den Stammlisten 1784 – 1806 vorkommt, anerkannt wurde.
Diese sogenannten Stammnummern haben sich erst allmählich festgesetzt, indem einige Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, die sich mit der Geschichte der Armee beschäftigten, die Nummern der größeren Deutlichkeit halber einführten; denn die Namen der Regimen­ter wiederholten sich zu verschiedenen Zeiten und gaben daher zu Verwechslungen Anlaß. Bei einigen Schriftstellern, und namentlich in der Stammliste von 1756, sind viele Regimenter unter einer andern Nummer, als der später üblichen verzeichnet, was daher rührt, daß man über das Stiftungsjahr eines Regiments verschiedener Ansicht war und überhaupt wenig zuverlässige Nachrichten hatte.
Die Regimenter rangierten unter sich nicht nach Nummern, sondern nach dem Dienstalter (der „Anciennetät“) ihrer Chefs, nur einige Regimenter hiervon ausgenommen. Unter den Kürassieren z.B. die Garde du Corps, die Gendarmes, das Leibregiment zu Pferde und die Leibcarabiniers.
Obgleich die Reiter-Regimenter seit 1715 Kürasse trugen, wurden sie unter Friedrich Wilhelm I. noch nicht allgemein „Kürassier-Regimenter“ genannt, sondern nach altem Brauch „Regimenter zu Pferde“. Die Bezeichnung „Kürassier“ wurde erst unter Friedrich dem Großen üblich und auch nach dem Tode des Königs beibehalten, obgleich die „Kürassiere“ in dem Zeitraume 1790 bis 1814/15 keine Kürasse mehr trugen.
Zitatende.
Hiermit werden sowohl die Probleme mit der Nummerierung als auch der Benennung der historischen (alt)preußischen Regimenter hinreichend erklärt und dient mir hier als Begründung, nunmehr weiterhin vom „Kürassier-Regiment 7“ zu schreiben.
2.2 Exkurs II – Kürassiere und Dragoner
Wir sprechen hier ständig von Kürassieren und Dragonern, ohne den Unterschied dieser Waffengattungen zu klären. Da unser Regiment ursprünglich als Dragoner-Regiment aufgestellt wurde und erst zu Beginn des von uns in diesem Dokument dargestellten Zeitraumes zum Kürassier-Regiment umformiert wurde, wenden wir uns zunächst den Dragonern zu.
Der Name der Waffengattung kommt wahrscheinlich vom französischen Wort „dragon“ (Bezeichnung für eine Handfeuerwaffe). Andere Vermutungen leiten den Namen von den berittenen Begleitern der Papstprozessionen ab, die ein Drachenschild an ihren Lanzen trugen. Ursprünglich handelte es sich bei den Dragonern um „berittene Infanterie“, d.h. während des Marsches waren die Dragoner beritten, auf dem Schlachtfeld angekommen, saßen sie ab und kämpften als normale Infanteristen. Lange Zeit zählte man die Dragoner nicht zur Kavallerie. Diese Zugehörigkeit zur Infanterie dokumentierte sich in vielen Punkten: Dienstgrade waren infanteristisch; die Rittmeister der Kavallerie hießen bei den Dragonern wie bei der Infanterie Kapitän, Cornetts waren Fahnenjunker. Die Uniformen waren stark an die der Infanterie angelehnt. Dragoner-Regimenter hatten „Hautboisten“ (also Oboenspieler), statt der bei der Kavallerie üblichen Trompeter. In der Schlacht bildeten sie später hinter den Kürassieren, das zweite Treffen. In ihrer Ausbildung war die infanteristische Komponente sehr stark ausgeprägt. Ein zeitgenössischer Spottvers sagte über die Dragoner:
„ Dragoner sind halb Mensch, halb Vieh,
aufs Pferd gesetzte Infanterie!“
Bereits Friedrich II. begann damit, die Dragoner zu richtigen „Kavalleristen“ zu machen.
Im Gegensatz zu den Dragonern die Kürassiere. Sie bildeten die Elite der Kavallerie. Auf dem Schlachtfeld führten sie den entscheidenden Angriff auf den Gegner, durchbrachen die feindliche Schlachtordnung. Obwohl auch mit Karabinern und Pistolen ausgerüstet, führten die Kürassiere ihre Angriffe ausschließlich mit dem Pallasch genannten schweren Säbel.
Kürassiere galten als vornehme Elitetruppe. Für unsere ehemaligen Dragoner war am Ende der Wechsel zum „Regiment zu Pferde“ ein gewaltiger Prestigegewinn …
3 Verlegung nach Salzwedel
Unser Regiment war nunmehr ein „Regiment zu Pferde“, gehörte zur Elite der preußischen Kavallerie und war auf 5 „Esquadrons“ aufgestockt, in der Sprache des frühen 18. Jahrhunderts „gesetzt“.
Während meiner Recherchen habe ich immer wieder festgestellt, dass für den Geschichtsinteressierten interessante Details, wie Stärken, Strukturen und Dislozierungen auch und gerade beim Militär durchaus nicht so genau gehandhabt wurden, wie man sich das vielleicht vorstellt. Im besten Fall spricht man im Bereich der Strukturen von „idealisierten“ - also den Vorschriften entsprechenden – Stärken und Dislozierungen. Das ist durchaus kein Problem des 18. Jahrhunderts, aus meiner Erfahrung heraus waren auch bestehende militärische Strukturen des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts bestenfalls nahe am Ideal …
König Friedrich Wilhelm I. bemühte sich, seiner Armee ein einheitliches Gesicht zu geben. Folgerichtig erließ er im Jahr 1727 das erste „Reglement vor die kgl. Preuß. Cavallerie Regimenter“, in dem u.a. auch Fragen der Struktur behandelt wurden. Nach diesem Reglement, dass wir der Einfachheit halber auch auf das Jahr 1717 übertragen, hatte ein preußisches „Regiment zu Pferde“ folgende Struktur:
• 5 Eskadrons, d.h. 30 Offiziere, 60 Unteroffiziere, 10 Trompeter. 650 „Reuter“, 10 Fahnenschmiede, dazu der „Unterstab“ (auf den gehen wir später ein)
• jede Eskadron zählte 6 Offiziere, 12 Unteroffiziere, 2 Trompeter, 130 Reiter und 2 Fahnenschmiede
• jede Eskadron „zerfiel“ in 2 Kompanien
Unser Problem mit den Strukturen ist damit nur am Rande geklärt, denn zu den Offizieren eines Regiments zählten selbstverständlich auch Chef und Kommandeur, die mit dem Alltagsleben der Eskadronen eher wenig zu tun hatten. Für die weiteren Betrachtungen wollen wir aber die o.a. idealisierte Struktur der Einfachheit halber zu Grunde legen.
Offensichtlich gab es aus Sicht des jungen Friedrich Wilhelm I. vieles zu regeln. U.a. finden wir ein „Verpflegungs Ordonnance, Auch Einquartierungs Reglement“ vom 01. Juni 1713, in der bis ins Details die Ansprüche der Offiziere, Unteroffiziere und Reiter gegenüber ihren „Quartierwirten“ festgelegt werden. Im Artikel 2 heisst es:
„ Ist Sr. Königlichen Majestät allergnädigsten Wille daß noch zur Zeit bis etwa die Projecte von Einquartierung der Cavallerie in denen Städten zum besten des platten Landes zum Stande gebracht werden können dieselbe fernerhin auf das platte Land logiret werden soll.“4
Interessant sind an diesem „Artikel“ 2 Tatsachen:
1. zu der angegebenen Zeit sind die „Regimenter der Cavallerie“ noch auf dem „platten Land“, d.h. auf den Dörfern, stationiert
2. allerdings ist eine Verlegung in die Städte bereits vorgesehen
Interessant, das sowohl im Reglement von 1727 als auch im oben zitierten Einquartierungsreglement die Dragoner ausdrücklich nicht zur Kavallerie gehören ...
Wichtig ist vor allem, dass bereits 1713 die Rede davon ist, dass die Verlegung der Kavallerie – so wie bereits die Regimenter der Infanterie – in „denen Städten“ vorgesehen war.
Für unser Reiter-Regiment war es schließlich 1727 soweit: aus dem „Halberstädtischen“ wurde das Regiment in die Altmark verlegt und nahm Quartier in Salzwedel, Tangermünde, Seehausen und Osterburg. Zusätzlich gab es „wechselnde Nebenorte“ die im Weiteren unberücksichtigt bleiben …
4 Das Kürassier-Regiment in Salzwedel
Der Alltag der Kürassiere ist wie überhaupt der Alltag des „gemeinen Volkes“ jener Zeit mehr als schlecht dokumentiert. Die Quellen sind dünn gesät und man ist häufig gezwungen, aus den wenigen Darstellungen der Zeit zu verallgemeinern.
Die Unterbringung der Soldaten erfolgte damals nicht so wie heute gewohnt in Kasernen, sondern die Soldaten wurden in den Häusern der Bürger der jeweiligen Stadt einquartiert. Soll heißen jeder Bürger der entsprechenden Stadt war verpflichtet, je nach Einkommen, eine bestimmte Zahl von Soldaten – dazu zählten im Übrigen auch Angehörigen der Soldaten – aufzunehmen. Wohlhabende Bürger einer Stadt konnten sich von dieser Pflicht befreien, allerdings waren sie dann zur Zahlung eines sogenannten „Servisgeldes“ verpflichtet. Die Zahlung eines solchen „Servisgeldes“ sind oftmals die einzigen Dokumente, die in den „zivilen“ Quellen immer wieder auftauchen ...
Einmal habe ich ausserhalb militärgeschichtlicher Werke unser Regiment in der Literatur gefunden: im Buch „Die Altmark“, Untertitel „Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeut (Ende des 15 bis Anfang des 19. Jahrhunderts)“ von Liselott Enders findet sich auf Seite 1105:
„Als 1727 Generalmajor Graf von Lottum die Pflasterung des als Paradeplatz vorgesehenen Klosterhof St. Annen in Salzwedel verlangte, was laut Kämmereianschlag 263 rt an Steinmetzerlohn und für Steine- und Sandfuhren erforderte ...“5
Wenn im Bewusstsein der Stadt auch nicht mehr Vieles an die Kürassiere erinnert, so heisst doch auch heute noch immer einer der Plätze der Stadt „Paradeplatz“ - nicht offiziell, aber die Salzwedeler wissen durchaus, welcher Platz gemeint ist.. Interessanterweise handelt es sich dabei um einen jener Plätze, die gerade im 20. Jahrhundert mehrfach den Namen wechselte …
Ausgehend von diesen Informationen möchte ich an dieser Stelle einen weiteren, kurzen Exkurs einfügen
4.1 Exkurs III – Garnisonen des Regiments
In einem weiteren Standardwerk zur preußischen Militärgeschichte, einer Veröffentlichung der „Historischen Kommission zu Berlin“ von 1964 mit dem Titel „Die Kampfhandlungen der Brandenburgisch-Preussischen Armee, 1626 – 1806, Ein Quellenhandbuch“ fand ich die Garnisonen des Regiments aufgelistet:
1688
in Ostpreußen
1714
Aschersleben, Eilenstedt, Hamersleben, Börnecke, Niedergebra, Durdesheim, Hedersleben, Harsleben, Rohrstein, Westerhausen
1716 - 1717
Halberstadt
1717 – 1718
Neidenburg, Lyck
1719 – 1726
Derenburg, Gröningen, Kochstedt, Kroppenstedt, Wegeleben, Schwanebeck
1727 – 1738
Salzwedel, Tangermünde, Kalbe/Biese, Seehausen, Werben, Arneburg, Osterburg, Arendsee
1739 – 1779
Salzwedel, Tangermünde, Seehausen, Werben, (bis 1767:) Arneburg, (nur 1764 – 1767 nicht:) Osterburg, Lenzen, Arendsee

Die Informationen dieses Dokumentes sind der Grund für meine Korrektur über die Garnisonsorte unseres Regiments, im Besonderen betrifft das die angenommene Stationierung ab 1727 statt – wie bisher angenommen 1717.
5 Entwicklung des Regimentes bis 1740
Die Regierungszeit des als „Soldatenkönig“ in die Geschichte eingegangenen Königs Friedrich Wilhelm I. zeichnet sich in militärischer Hinsicht vor allem durch zwei Dinge aus:
1. ein kontinuierlicher und konsequenter Ausbau der Armee, sowie die Konsolidierung der Staatsfinanzen, auch und gerade um die Armee finanzieren zu können.
Währens seiner Regierungszeit wurde die Armee verstärkt um
• 12 Infanterieregimenter (Stammliste bis 1805 Nr. 21 bis 32)
• die vorhandenen 8 Kürassier-Regimenter wurden um jeweils eine Eskadron verstärkt. 4 Dragoner-Regimenter – darunter das unsrige – wurden zu Kürassier-Regimentern gemacht und ebenfalls auf 5 Eskadronen gesetzt
• 2 Husarenregimenter mit 9 Eskadronen (Nr 1 mit 6, Nr. 2 mit 3)
2. Preußen nahm nach dem Großen Nordischen Krieg an keinen nennenswerten Kriegen mehr teil. Die Regentschaft Friedrich Wilhelm I. war von einer 25jährigen Friedensperiode gekennzeichnet.
Dementsprechend ist in dieser Hinsicht auch für unsere – ab 1727 „Salzwedeler“ Kürassiere nichts zu berichten.
In der Zeit zwischen 1717 und 1740 waren folgende Offiziere Chef des Regimentes:
ab 11.01.1717 Oberst Ludwig Graf von Lottum, 1721 Generalmajor
ab 20.08.1729 Oberst Karl Friedrich von Papstein
ab 28.07.1733 Oberst Friedrich Sigismund von Bredow, 1737 Generalmajor
In Salzwedel selbst lagen bis zur Auflösung der Regiments folgende Einheiten:
1. Schwadron – die sogenannte Leibschwadron deren Inhaber der Chefs des Regimentes war
5. Schwadron, Schwadron des Kommandeurs
Unter-Stab (Quartiermeister, Auditeur, Feldscher, Prediger, Schmied, Bereiter)
Diese Vergabe der Schwadronen 1 und 5 an Chef bzw. Kommandeur war üblich zu jener Zeit.
Trotz der Bemühungen des Soldatenkönigs um eine weitere Verstärkung seiner Kavallerie, führte während seiner Regierung die Waffengattung ein Schattendasein neben der Infanterie.
Im o.a. Reglement „vor die Cavallerie“ von 1727 waren zwar auch Punkte zur Ausbildung und Taktik festgelegt worden, aber man merkte diesem Reglement auch an, dass sein Schöpfer und sein engster „Mitarbeiter“ - Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, der „alte Dessauer“ - eingefleischte Infanteristen waren. So heißt es in der „Geschichte der Brandenburg-Preußischen Reiterei“ aus dem Jahr 1905:
„ …, daher wurde die Kavallerie durch manche Festsetzungen der Vorschrift „infanterisiert“. Künsteleien in den Exerzierfomen, sehr kurze Tempi, unzureichende Übung in der Überwindung von Hindernissen waren die Folge …
Der lange Frieden unter Friedrich Wilhelm I. Trug zur Schwächung der berittenen Truppenteile bei, dass aus der Waffe der „Reitergeist schwand“. Die Schonung und Mästung der Pferde, für die nur knapper Ersatz gewährt wurde, nahmen immer mehr überhand und um bei dem wenigen Gebrauch der Pferde die Mannschaften zu beschäftigen, exerzierte man immer fleißiger zu Fuß.“6
Es kann wohl angenommen werden, dass dem König die Schwerfälligkeit seiner Reiter selbst auffiel. Vielleicht liegt hierin auch der Grund für die Stiftung der 2 Husarenregimenter durch Friedrich Wilhelm I.
Anzunehmen bleibt ausserdem, dass sich der Zustand der Kürassiere in der Altmark nicht von dem der anderen „Regimenter zu Pferde“ unterschied.
5.1 Exkurs IV - Uniformierung
Im letzten Abschnitt dieses Dokumentes möchte ich auf die Uniformen der Kürassiere eingehen. Zur damaligen Zeit unterlagen Uniformen noch weitaus stärker als heute auch der Mode. Eine Vorstellung wie die Uniform eines Dragoners um 1715 aussah, haben wir durch die Abbildung eines Dragoneroffiziers im ersten Teil dieser Dokumentation gewonnen.
Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Uniform unserer Reiter drastisch, einerseits durch die Veränderung der Mode, andererseits durch die Änderung ihrer Waffengattung.
Die Uniformen der Angehörigen einer Waffengattung unterschieden sich lediglich in der Art der Borten und des Besatzes an den Röcken bzw. dem Hut.
In der Abbildung sehen wir einen Kürassier der Regiments von Buddenbrock (Stammliste Nr.1).
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass auch Kürassiere zur damaligen Zeit keine Helme trugen. Zum Schutz vor Säbelhieben trug man allerdings ein eisernes Hutkreuz.


Das Regiment Bredow – eben unser Regiment – führte Borten und Besatz, die Silber und Rot gewürfelt waren. Auf der nebenstehenden Abbildung nur schematisch angedeutet.










Rangabzeichen wurden nicht getragen. Man unterschied anhand der Uniform lediglich die Dienstgradgruppe. So trugen die Cornetts als niedrigster Offiziersrang grundsätzlich dieselbe Uniform wie der General. Letztere trugen lediglich am Hut eine große Straußenfeder …
Links zu sehen die Abzeichen eines Unteroffiziers.





Ein weiteres äußeres Erkennungsmerkmal der einzelnen Regimenter waren die Satteldecken und andere Ausrüstungsmerkmale. Im unteren Bild die Schabracke und Pistolenholster des Regiments Bredow um 1737.

#10 RE: Salzwedel von MAGADO-2 22.02.2020 21:07

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Für mich eine sehr gute Übersicht. Kanst du auch mal die Uniformierung abbilden?

#11 RE: Salzwedel von virago 22.02.2020 21:15

Hallo Magado,

würde ich gern, aber ich weiß nicht wie ich hier Bilder einstellen soll. Mein Versuch beim Treffenfeld war wenig erfolgreich ...

#12 RE: Salzwedel von MAGADO-2 22.02.2020 21:19

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Bilder ins Forum stellen

also für bilder ganz einfach...im jeweiligen Thema auf Antwort schreiben klicken...dann links neben dem großen eingabefeld ganz unten steht Bilder Upload, dort drauf klicken..nun öffnet sich eine Seite..auf dieser Seite Bilder zum hochladen auswählen anklicken, dann öffnet sich ein Fenster wo man das Bild auf dem Rechner auswählen kann...das ausgewählte Bild anklicken und mit speichern bestätigen...danach ist ein neuer Button " gewählte datei jetzt hochladen " vorhanden, dort klickt man drauf und das Bild wird hochgeladen...nun wird das bild im kleinformat angezeigt und 4 Zeilen rechts daneben...dort makiert man den inhalt der oberen Zeile und kopiert ihn mit rechte maustaste " kopieren " oder "Strg gedrückt halten und " C " drücken", dann ganz einfach auf unserer Seite in dem Textfeld einfügen und fertig...liest sich kompliziert ist aber ganz simpel

#13 RE: Salzwedel von virago 22.02.2020 21:31

Bild entfernt (keine Rechte)

Nun gut, scheint erstmal geklappt zu haben [smile].
Die Borten des KR-7 waren bis 1742 rot-silber "gewürfelt".[style=display: none;]|addpics|sv2-2-9c3c.png|/addpics|[/style]

#14 RE: Salzwedel von MAGADO-2 22.02.2020 21:34

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Super

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