#1 Neu Stassfurt/ Löderburg von Spurensucher MD 02.04.2016 15:11

Fundsache im www.
Der Todesmarsch von Neu-Staßfurt nach Annaberg-Buchholz

In Neu-Staßfurt wurde im April 1944 ein Außenlager des KZ Buchenwalds errichtet, um eine unterirdische Fabrik für die Ernst Heinkel AG, Werk Waltersdorf zur Produktion von Flugzeugen im Rahmen des "Jägerprogrammes" zu errichten. Die Belegung bestand aus etwa 450 Franzosen (Juden und Widerstandskämpfer) und 300 Häftlingen, die aus Auschwitz kamen.

Im April 1945 wurde ein Zug von 600 bis 700 Gefangene 375 km durch Sachsen-Anhalt und Sachsen getrieben.


11.April 1945 Neu-Staßfurt/ Löderburg/ Staßfurt/ Neudorf/ Warmsdorf

12.April Warmsdorf/ Alsleben an der Saale/ Könnern/ Dalena

13.April Dalena/ Schlettau/ Löbejün/ Plötz/ Kösseln/ Ostrau/ Sturmsdorf/
Preußendorf/ Spören/ Quetzdölsdorf/ Beyersdorf/ Glebitzsch

14.April Glebitzsch/ Roitzsch/ Zaasch/ Schenkenberg/ Delitzsch/ Nieder-Glaucha/
Wellaune

15.April Wellaune/ Bad Düben/ Görschlitz/ Kossa

Lt. ITS Trennung in zwei Gruppen am 16. April

1. Gruppe: Kossa/ Authausen/ Pressel/ Wildenhain/ Mockrehna

2. Gruppe: Kossa/ Falkenberg/ Wildenhain Mochrehna

Zusammen weiter am 17. April

Ober-Audenhain/ Probsthain/ Gneisenaustadt Schildau/ Sitzenroda

Lt. ITS Trennung in zwei Gruppen am 18.April

1.Gruppe: Sitzenroda/ Dahlen/ Luppa/ Calbitz/ Lampersdorf/ Oschatz/ Zöschau/
Raitzen/ Hof/ Staucha

2. Gruppe: Sitzenroda/ Lausa/ Bockwitz/ Cavertitz/ Laas/ Schmorkau/ Schönnewitz/
Borna/ Bornitz/ Ganzig/ Reppen/ Staucha

Zusammen weiter am 20.April

19. April Altsattel/ Lommatzsch/ Großkagen/ Löthain/ Garsebach, Götterfelsen/
Riemsdorf

20.April Riemsdorf/ Ullendorf/ Röhrsdorf/ Sora/ Wilsdruff/ Grumbach/
Fördergersdorf/ Kurort Hartha

21.April Kurort Hartha/ Grillenburg/ Klingenberg/Ober -Colmnitz/ Pretzschendorf/
Röthenbach

22.April Friedersdorf/ Burkersdorf/ Dittersbach

23.April Dittersbach/ Clausnitz

24.-25.April Clausnitz

26.April Clausnitz/ Cämmerswalde/ Neuhausen/ Dittersbach

26.April -
7.Mai 1945 Dittersbach

7.Mai Dittersbach/ Heidersdorf/ Ober-Neuschönberg/ Olbernhau/ Ansprung

7.Mai-8.Mai Ansprung/ Zöblitz/ Marienberg/ Mildenau/ Annaberg-Buchholz


Wie hieß das Lager? (offizielle Bezeichnung/Tarnname)

Das Lager hieß offiziell Rüstungsprojekt "Reh".

Standort des Lagers

Das Lager befand sich in der Nähe der Schachtanlage VI in Neustaßfurt.

Gründung und Auflösung

Am 13. September 1944 wurde zwischen Löderburg-Lust und Atzendorf das Außenlager Staßfurt I/Neustaßfurt („Reh“) errichtet, in dem 459 Häftlinge, überwiegend aus Frankreich, an der unterirdischen Verlagerung der Ernst Heinkel AG zusammen mit polnischen KZ-Häftlingen unter mörderischen Bedingungen arbeiten mussten, wobei zwischen 300 und 380 ihr Leben verloren.
Ein weiteres Außenlager bestand ab dem 28. Dezember 1944 in Leopoldshall. Beide Lager wurden am 11. April 1945 mit einem Todesmarsch evakuiert.

Zahl der Häftlinge

Geplant wurde es für 2.000 Häftlinge ca. 500 französische Häftlinge aber auch polnische und deutsche Häftlinge waren untergebracht. Ca. 40 Totenscheine wurden durch den freipraktizierenden Arzt Gustav Reins aus Löderburg unterschrieben.

Für welche Firma, welchen Auftraggeber erfolgte die Zwangsarbeit?

Die Firmen waren: Flugzeugwerke Heinkel, Kugellagerfabrik Fischer, BMW.

Unterbringung der Häftlinge

keine Informationen
Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/Todesmärsche)

Die Häftlinge wurden von Buchenwald nach Neu-Staßfurt verlagert.
Beide Lager (s.o.) wurden am 11. April 1945 mit einem Todesmarsch evakuiert.
Todesmarsch von Neu-Staßfurt nach Annaberg vom 11.04.1945 bis 08.05.1945.

Literatur

Lexikon der Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland von Torben Fischer, Matthias N . Lorenz.

Aufstieg und Fall des Heinrich Lübke
Herausgeber Nationalrat des Demokratischen Deutschlands

Gedenkzeichen am Ort

Es befindet sich ein Gedenkstein am Löderburger Friedhof, dort liegt ein unbekannter Häftling, der auf dem Todesmarsch ums Leben kam.

Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

Vor Ort gibt es keinerlei Zeugnisse und Objekte Heute befindet sich dort ein Industriegelände mit Ablagerungen von Chemischen Mitteln des Sodawerkes Staßfurt.

Es wird gern kolportiert, dass die am 6. August 1945 über Hiroshima zur Explosion gebrachte Atombombe Little Boy 64 Kilogramm Uran enthielt und dass zumindest ein Teil des Urans möglicherweise aus den etwa 1.100 Tonnen Uranerz und Uranoxid stammte, das US-Amerikaner in der zweiten Aprilhälfte 1945 in Staßfurt sichergestellt hatten. Das stimmt aber wahrscheinlich nicht, denn für die US-Bombe kam diese U-Lieferung wohl zu spät.

Ausserdem: Erinnerungsweg Staßfurt

www.juden-in-mittelsachsen.de/erinnerungsweg/stassfurt


Kontakt

Stadt Staßfurt
Museum Staßfurt
Fachbereich 40 - Schulen, Jugend und Kultur
Stadt- und Bergbaumuseum
Pestalozzistr. 6
39418 Staßfurt

Tel.: 03925 - 32 31 33 03925 - 32 31 33
E-Mail: museum@stassfurt.net
und
Verein Spurensuche Harzregion e.V.

www.spurensuche-harzregion.de

#2 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von Spurensucher MD 02.04.2016 15:15

Besonders der Schluss ließ mich aufhorchen: Uranerz bei uns? Wo kam das Zeug her? Was sollte damit passiere? 1100 Tonnen!! Das sind doch Salzstollen! Da lagen doch auch Kunstgegenstände??

#3 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von Teddy 02.04.2016 16:16

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Hallo Spurensucher MD,
ist bekannt, wie der heutige Ort des damaligen Verbrechens gewürdigt wird im Sinne der Opfer. Bisher wurde ja nur auf die großen Konzetrationslager ein Augenmerk
gelegt. (Finanzspritzen und Spendengelder für die Erhaltung) Nicht nur zu DDR-Zeiten. Auch heute ist es noch so, daß den Außenkommandos von den jewiligen Hauptlagern wenig Gehör schenkt, was meiner Meinung nach ungerecht ist.

In diesem Sinne

#4 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von Spurensucher MD 02.04.2016 16:50

Teddy, oben ist doch die Rede von einem Gedenkstein auf dem Friedhof. Wie soll eine Gemeinde wie Löderburg mehr stemmen?
Wenn da wirklich was drann ist an dem Uranzeug dann können die sich in Zukunft sogar einen beleuchteten Gedenkstein leisten. Wenn du noch weitere Fragen hast ....da stehen Adressen drauf die haben auch den Artikel geschrieben.

#5 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von Teddy 02.04.2016 18:45

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Spurensucher MD,
habe mir die Adessen schon notiert, werde einmal dort höflichst anfragen und wenn sich etwas positives entwickelt, ganz höflichst den Fuß in die geöffnete Tür
stellen.

In diesem Sinne

#6 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von wirbelwind 02.04.2016 19:57

Die Geschichte mit dem abtransportierten Uranerz/Uranoxid ist mir vor längerer Zeit auch schon mal untergekommen. Allerdings nicht in dem angegebenen Umfang.Gehe davon aus, dass dies kurz vor Kriegsende deutscherseits dort eingelagert wurde, nachdem man entsprechende Bestände aus besetzten Ländern wegen Räumung dorthin verbrachte.Mal sehen, ob ich die Quelle noch finde.
MfG Rüdiger

#7 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von uweB. 03.04.2016 17:25

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Ein Überbleibsel des Außenlagers zwischen Lust und Atzendorf existiert noch. Eine Baracke, oder besser gesagt ein Segment davon wurde nach dem Kriege demontiert und steht noch heute als Wohnanbau in Atzendorf in der Nähe der Feuerwehr.

Gruß
Uwe

#8 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von Teddy 03.04.2016 19:59

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uweB. es wäre schön wenn, Du die Möglichkeit haben solltest, ein paar Bilder zu machen vom ehemaligen Außenlager (Überbleibsel) und vom heutigen Wohnungsanbau und diese ins Forum stellen könntest.

In diesem Sinne

#9 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von uweB. 03.04.2016 21:13

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Vom ehemaligen Standort selber ist nichts mehr zu sehen; der wird als Ablagerungsstätte für Schlämme der Staßfurter Sodawerke verwendet. Aber ich mache trotzdem mal ein paar Bilder.

Gruß
Uwe

#10 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von uweB. 04.04.2016 12:31

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Ich war mal ebend schnell los, aber es gibt in dem Sinne keinen erkennbaren Zusammenhang auf dem Gelände mehr. Außer den Ablagerungen der Sodawerke, wird das Gelände auch zur Verklappung von Schüttgut genutzt. Das erste Bild zeigt den Straßenverlauf von Atzendorf in Richtung Löderburg/ Lust. Der Blick auf das Betriebsgelände ( Bild 2 und 3) gibt keine Hinweise mehr auf den ehemaligen Standort

#11 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von uweB. 04.04.2016 12:35

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Hier das bereits neu eingedeckte und angeputzte Barackenteil. Der Besitzer, ein Feuerwehrkamerad von mir, besitzt noch Fotos vom Übernahmezustand und will mir diese mal raussuchen. Da erkennt man den Ursprung sehr gut. Diese Baracken bestanden aus genormten Bauteilen und wurden öfters mal umgesetzt.

#12 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von uweB. 14.04.2016 12:41

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Ein Bild vom Eingang mit altem, originalen Fenster gibt es noch; mehr ist nicht mehr vorhanden.

#13 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von frigü 05.03.2017 15:40

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Es wird gern kolportiert, dass die am 6. August 1945 über Hiroshima zur Explosion gebrachte Atombombe Little Boy 64 Kilogramm Uran enthielt und dass zumindest ein Teil des Urans möglicherweise aus den etwa 1.100 Tonnen Uranerz und Uranoxid stammte, das US-Amerikaner in der zweiten Aprilhälfte 1945 in Staßfurt sichergestellt hatten. Das stimmt aber wahrscheinlich nicht, denn für die US-Bombe kam diese U-Lieferung wohl zu spät.
@Spurensucher
Mir sind da noch so Kindererinnerungen von 1958 , über diesen Text bekannt .
Als Kinder fuhren wir immer an der Liehte entlang Richtung WiFo . (Wifo) Staßfurt, An der Liethe (im Schacht Friedrichshall).:. Dort in der nähe des ehemaligen Salzschachtes , waren 2 große Bombentrichter , hier erlernten wir uns das Angel .
Die älteren jungendlichen erzählten immer von den runden Kugeln die ließen sich schön mit der Schlappi verchießen .

http://artefakte.perladesa.de/artefakte_stassfurt.htm

Dannenberg ist an der Straße Staßfurt - Rathmannsdorf , wird abgerissen ,weil dort sich die Erde senkt , WiFo ist in der nähe des Achslagerwerkes . In der Paul Merkewitz Halle wird heute Handball gespielt . https://www.google.de/maps/@51.8381471,1...m/data=!3m1!1e3

#14 RE: Neu Stassfurt/ Löderburg von frigü 05.03.2017 15:52

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Der andere Schacht ist der ehemalige Berlepsch -Schacht.http://www.geo-archiv.de/objekt/doppelsc..._(d)/13502.html

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